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Kakishibu: Japans Tradition des vergorenen Kaki-Tannins

Redaktion Nonenal Guide · Aktualisiert 2026-10-11

Kurz gesagt: Kakishibu ist der vergorene Saft unreifer, herber Kakis. Sein Gerbstoff (Tannin) trocknet zu einem zähen, wasserfesten Film. Deshalb strich man ihn in Japan über Jahrhunderte auf Papier, Holz, Stoff und Fischernetze, und Sakebrauer klärten damit ihren Sake. In Seife wird Kaki-Tannin erst seit vergleichsweise kurzer Zeit verwendet. Dazu passt, wie nüchtern man in Japan über Kareishu (加齢臭) spricht, den Geruch, der mit dem Älterwerden kommen kann.

Was Kakishibu ist

Der Name setzt sich aus zwei Wörtern zusammen: kaki heißt Kaki, also die Frucht, und shibu bezeichnet die trockene, zusammenziehende Herbheit unreifen Obstes. Vom selben Wortstamm kommt shibui. Das kann „herb“ bedeuten, beschreibt aber auch einen stillen, zurückhaltenden guten Geschmack.

Laut dem Sake-Glossar der Society for Nada Sake Research wird Kakishibu aus gerbstoffreichen, herben Sorten gewonnen, die noch grün geerntet werden. Die Früchte werden zerkleinert und gepresst, der Saft gärt etwa einen Monat lang, wird dann erhitzt und reift Monate oder Jahre. Am Ende steht eine rotbraune bis fast schwarze Flüssigkeit (Nada-Sake-Glossar, „Shibu“). Sie hat außerdem einen ganz eigenen Geruch, was gut zu wissen ist, wenn man Kaki bisher nur als Zutat in Seife kennt.

Das Tannin selbst ist ein sehr großes Molekül. Japanische Chemiker zeigten in den 1970er-Jahren, dass es aus Bausteinen vom Catechin-Typ aufgebaut ist, also aus derselben Familie von Pflanzenstoffen, die auch in grünem Tee vorkommt (Matsuo und Ito, 1978, Agricultural and Biological Chemistry). Gerbstoffe binden an Eiweiße, daher das pelzige Gefühl im Mund. Beim Trocknen bildet Kakishibu einen festen Film, der sich in Wasser nicht mehr löst.

Eine lange Geschichte im Alltag

Kakis werden in Japan seit weit mehr als tausend Jahren angebaut. Die früheste schriftliche Erwähnung wird meist auf das Honzō Wamyō zurückgeführt, ein Verzeichnis von Arzneistoffen aus dem Jahr 918. Der Saft fand früh praktische Verwendung. Eine Veröffentlichung des Nationalmuseums für japanische Geschichte beschreibt eine einfachere Art von Lackware, die im 11. und 12. Jahrhundert aufkam: mit einer Grundierung aus Kaki-Tannin und Holzkohlepulver und nur etwa einer Schicht Lack darüber (Yotsuyanagi, 2018, Bulletin of the National Museum of Japanese History).

Die Blütezeit kam später. Ein Beitrag in Blue Signal, dem Magazin der West Japan Railway Company, beschreibt rund 300 Jahre, von der Mitte der Edo-Zeit bis zum Siegeszug des Kunststoffs nach dem Zweiten Weltkrieg, in denen Kakishibu zum gewöhnlichen Alltag gehörte (Blue Signal, Ausgabe 197, 2022, auf Japanisch). Geschätzt wurde es, weil es Wasser abhielt und Materialien vor Fäulnis und Insekten schützen half.

Wo es verwendet wurdeWozu es diente
Papierfächer und SchirmeMachte das Papier fester und wasserabweisend
PackpapierMachte Papier zäher und widerstandsfähiger gegen Nässe
Teekisten, Bottiche und EimerSchützte das Holz
Fischernetze und AngelschnüreLieß Naturfasern im Wasser länger halten
StoffeFärbte sie warm braun
LackwareDiente als einfachere Grundierung unter dem Lack
SakebrauereiHalf, Trübstoffe abzusetzen und den Sake zu klären

Schablonen für Kimonostoffe

Eine der bekanntesten Anwendungen gibt es bis heute. Ise-Katagami, Papierschablonen, mit denen Muster auf Kimonostoffe gefärbt werden, entstehen in Suzuka in der Präfektur Mie. Laut der japanischen Traditional Craft Industries Promotion Association werden drei Bögen handgeschöpftes Washi-Papier mit Kaki-Tannin verklebt, die Faserrichtung jeweils abwechselnd. Danach wird das Papier geräuchert, erneut in Tannin getränkt und ein bis zwei Jahre gelagert, bevor man es verwendet. Ise-Katagami ist seit 1983 offiziell als traditionelles Handwerk anerkannt (Traditional Crafts Aoyama Square, „Ise Katagami“).

Teefelder und Kakibäume

In der Gegend von Yamashiro südlich von Kyoto, bekannt für Uji-Tee, pflanzte man früher herbe Kakibäume zwischen die Teefelder, um sie vor Frost zu schützen. Nach der Teeernte sammelte man die grünen Kakis und presste sie zu Kakishibu. Hergestellt wird es dort noch heute, allerdings in kleinem Umfang: Laut Blue Signal gibt es in ganz Japan nur noch drei Betriebe, die mehr als 30 Tonnen im Jahr herstellen.

Kareishu: wie Japan über Altersgeruch spricht

Im Japanischen gibt es ein Alltagswort für den Geruch, der mit dem Alter kommen kann: Kareishu (加齢臭). Karei bedeutet älter werden, shū Geruch. Es ist ein schlichter, beschreibender Begriff, den japanische Unternehmen wie Shiseido offen in Forschung und Verbraucherinformationen verwenden. Mehr zu Ursachen und Alltagstipps lesen Sie in unserem Artikel über Altersgeruch.

Ein großer Teil der Forschung stammt aus Japan. Laut Shiseido identifizierten seine Forschenden 1999 den Stoff 2-Nonenal. Die Studie dazu erschien 2001: Ein Team aus Shiseidos Produktentwicklung untersuchte den Körpergeruch von Menschen zwischen 26 und 75 Jahren und fand 2-Nonenal, das fettig und grasig riecht, nur bei den Teilnehmenden ab 40 (Haze et al., 2001, Journal of Investigative Dermatology). Die Wissenschaft dahinter erklären wir in Was ist Nonenal?

Bemerkenswert ist der Ton. Ein Verbraucherratgeber von Shiseido aus dem Jahr 2014 (auf Japanisch) hält unter anderem fest:

  • Kareishu gilt oft als Problem von Männern mittleren Alters, betrifft aber Frauen und Männer gleichermaßen, etwa ab 40.
  • Der Geruch wird oft mit Kerzen oder alten Büchern verglichen.
  • Er wird als natürliche Alterung des Körpergeruchs beschrieben, die alle betrifft. Leserinnen und Leser sollen sich deswegen keine übermäßigen Sorgen machen.
  • Körpergeruch gilt als eine Art „unsichtbare Körperpflege“. Weil wir uns an den eigenen Geruch gewöhnen, empfiehlt der Ratgeber, ab und zu die Familie an der Kleidung schnuppern zu lassen.
  • Die Ratschläge sind praktisch: baden oder duschen, um Hautfett abzuwaschen, Kleidung oft waschen und ausgewogen essen.

Diese ruhige, sachliche Haltung ist überall ein gutes Vorbild. In japanischen Artikeln liest man oft, Shiseido habe das Wort Kareishu selbst geprägt. In Shiseidos eigenen Veröffentlichungen konnten wir das nicht bestätigen. Betrachten Sie es daher als verbreitete Erzählung, nicht als gesicherte Tatsache.

Vom Werkstoff zur Seife

Kaki-Tannin hat auch neuere Einsatzgebiete gefunden. Das Nada-Glossar nennt unter anderem Kosmetik und Deodorants, und Blue Signal erwähnt gereinigtes Kaki-Tannin-Pulver als Zutat in Kosmetik und Desinfektionsprodukten. Kaki-Seifen, die heute weit über Japan hinaus verkauft werden, knüpfen an diese Tradition an.

Dabei lohnt es sich, klar zu bleiben. Jahrhunderte der Nutzung auf Papier, Holz und Netzen zeigen, dass Kakishibu ein bemerkenswerter Werkstoff ist. Sie zeigen nicht, dass eine Kaki-Seife auf der Haut anders wirkt als gründliches Waschen mit gewöhnlicher Seife. Gute Belege dazu sind rar; wir sehen sie uns ehrlich an in Wirkt Kaki-Seife? Was jede Seife leisten kann: Sie hilft, den öligen Film abzuwaschen, der den Geruch trägt.

Tipp: Kakishibu, das zum Färben oder für die Holzbehandlung verkauft wird, ist ein Werkstoff und kein Hautpflegeprodukt. Tragen Sie es nicht auf die Haut auf, sondern verwenden Sie eine Seife, die zum Waschen hergestellt und entsprechend gekennzeichnet ist.

Häufige Fragen

Ist Kakishibu dasselbe wie Kaki-Seife?

Nein. Kakishibu ist eine vergorene Kaki-Flüssigkeit, die als Farbstoff, Schutzanstrich und Klärmittel für Sake dient. Kaki-Seife ist ein Kosmetikprodukt, das Kaki-Extrakt oder Kaki-Tannin in der Zutatenliste führt.

Riecht Kakishibu?

Ja. Vergorenes Kakishibu hat einen eigenen, deutlichen Geruch. Ein Grund mehr, Kakishibu aus dem Bastelbedarf für Handwerksprojekte zu verwenden.

Betrifft Kareishu nur Männer?

Nein. Laut dem Shiseido-Ratgeber betrifft es Frauen und Männer gleichermaßen, etwa ab 40. Bei Männern falle der Geruch womöglich eher auf, unter anderem weil sie oft mehr Hautfett bilden und Anzüge und Mäntel zwischen zwei Reinigungen häufig getragen werden.

Woher kommt das Wort Kareishu?

Es verbindet karei (Älterwerden) und shū (Geruch). Häufig heißt es, Shiseido habe es um die Jahrtausendwende geprägt, eine Primärquelle dafür haben wir aber nicht gefunden.

Kann man Kakishibu außerhalb Japans kaufen?

Ja. Händler für Textil- und Bastelbedarf bieten es an, zum Beispiel als Pulver zum Färben von Stoffen. Lesen Sie die beiliegenden Sicherheitshinweise und bewahren Sie es außerhalb der Reichweite von Kindern auf.