Kurz gesagt: Altersgeruch ist ein milder, leicht fettiger, abgestandener Duft, der sich mit den Jahren entwickeln kann. Ein Teil davon stammt vermutlich von Nonenal, einem Stoff, der entsteht, wenn Hautfett mit Sauerstoff reagiert. Kleidung, Bettwäsche, Polstermöbel und schlecht gelüftete Räume halten ihn dann fest. Am meisten bewirken tägliches Waschen, häufig frische Kleidung und Bettwäsche sowie jeden Tag frische Luft.
Ein heikles Thema. Vielleicht ist es Ihnen beim Besuch bei Ihren Eltern oder Großeltern aufgefallen. Vielleicht fragen Sie sich auch im Stillen, ob es Sie selbst betrifft. Vorweg das Wichtigste: Das ist normal. Altersgeruch ist keine Krankheit, und er bedeutet nicht, dass sich jemand vernachlässigt. Es gibt einige klare Ursachen, und deshalb gibt es auch vernünftige Dinge, die Sie tun können.
Was hinter dem Altersgeruch steckt
Jeder Mensch hat einen eigenen Geruch, und der verändert sich im Laufe des Lebens. Forscher am Monell Chemical Senses Center in den USA ließen 41 junge Freiwillige Geruchsproben aus drei Altersgruppen bewerten. Richtig zuordnen konnten die Freiwilligen nur die älteste Gruppe, Menschen zwischen 75 und 95 Jahren. Gerade deren Proben empfanden sie aber als weniger intensiv und weniger unangenehm als die der jungen und mittelalten Spender (Mitro et al., 2012, PLoS One).
Der Geruch des Alters ist also erkennbar, aber nicht unbedingt stark oder unangenehm. Was im Alltag auffällt, ist oft eine Mischung aus Körpergeruch und Gerüchen, die sich über lange Zeit in Stoffen und Räumen angesammelt haben.
Ursache 1: Nonenal aus dem Hautfett
Die Haut bildet jeden Tag einen dünnen Fettfilm. Im Jahr 2001 berichteten Forscher des japanischen Kosmetikunternehmens Shiseido, dass bestimmte Fettsäuren in diesem Film und bereits oxidierte Fette mit dem Alter zunehmen. Zerfallen diese Fettsäuren, wird 2-Nonenal frei, ein Stoff mit fettigem, grasigem Geruch. Das Team fand ihn nur bei Teilnehmern ab 40 Jahren (Haze et al., 2001, Journal of Investigative Dermatology).
Eine spätere japanische Studie zeigte, dass die Haut im Nacken mit dem Alter mehr 2-Nonenal abgibt, bei Frauen wie bei Männern (Kimura et al., 2016, Journal of Chromatography B). Eine Studie aus den USA fand dagegen gar kein 2-Nonenal, dafür andere Stoffe, die bei Älteren erhöht waren (Gallagher et al., 2008, British Journal of Dermatology). Nonenal ist also wahrscheinlich ein Teil des Bildes, nicht das ganze. Mehr dazu lesen Sie in Was ist Nonenal?
Ursache 2: Schweiß und Hautbakterien
Der typische Schweißgeruch entsteht, wenn Hautbakterien Eiweißstoffe im Schweiß zersetzen. So erklärt es gesundheitsinformation.de, das Gesundheitsportal des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Das gilt in jedem Alter.
Manches kann den Geruch verstärken. Der britische Gesundheitsdienst NHS nennt unter anderem heißes Wetter, Übergewicht, hormonelle Veränderungen, Erkrankungen wie Diabetes sowie Nieren- und Lebererkrankungen und bestimmte Medikamente, zum Beispiel Antidepressiva. Auch praktische Hürden spielen eine Rolle. Wenn das Ein- und Aussteigen aus der Badewanne mühsam oder unsicher geworden ist, wäscht man sich oft weniger gründlich, und der Geruch kommt schneller zurück.
Ursache 3: Kleidung, Bettwäsche und Polster
Hautfett bleibt nicht auf der Haut. In einer japanischen Studie maßen Forscher Nonenal in Baumwoll-T-Shirts, in denen Männer drei Nächte geschlafen hatten (Tatsuguchi et al., 2012, Journal of Japan Association on Odor Environment). Denken Sie an die Stoffe, die stundenlang auf der Haut liegen und seltener gewaschen werden, als gut wäre:
- Kopfkissenbezüge und Bettlaken;
- Strickjacken, Pullover und Hemdkragen, die zwischen zwei Wäschen mehrmals getragen werden;
- der Lieblingssessel oder das Sofa, vor allem Kopfstütze und Armlehnen;
- Mäntel, Schals und Mützen, die kaum je in die Waschmaschine kommen.
Ursache 4: die Wohnung selbst
Räume, in denen die Fenster meist geschlossen bleiben und viele Textilien wie Vorhänge, Teppiche und Kissen liegen, halten Gerüche länger. Wer dort wohnt, nimmt sie meist nicht mehr wahr, weil sich die Nase rasch an vertraute Gerüche gewöhnt. Besucher bemerken sie dagegen sofort.
Die Ursachen im Überblick
| Ursache | Wo es auffällt | Was hilft |
|---|---|---|
| Nonenal aus dem Hautfett | Nacken, hinter den Ohren, oberer Rücken, Kopfkissen | Tägliches Waschen mit Seife, gerade an diesen Stellen |
| Schweiß und Bakterien | Achseln, Leiste, Füße | Waschen, gründlich abtrocknen, Deo oder Antitranspirant |
| Textilien | Kleidung, Bettwäsche, Sessel | Häufig wechseln, wärmer waschen, wo das Etikett es erlaubt |
| Die Wohnung | Schlafzimmer, Wohnzimmer, Kleiderschrank | Täglich lüften, den Kleiderschrank ab und zu ausmisten |
Was hilft
Ein Wundermittel gibt es nicht, aber eine feste Routine bewirkt viel:
- Täglich mit Wasser und Seife waschen. Seife hilft, die fettigen Rückstände abzuwaschen, die den Geruch tragen.
- Nacken, die Haut hinter den Ohren, Brust und oberen Rücken nicht vergessen. Diese Stellen sind fettig und werden bei einer schnellen Wäsche leicht übersehen.
- Achseln, Leiste und Füße gründlich waschen und gut abtrocknen. Der NHS empfiehlt das mindestens zweimal am Tag.
- Naturfasern wählen wie Baumwolle, Wolle und Seide, und die Kleidung oft wechseln.
- Kopfkissenbezüge öfter wechseln als die übrige Bettwäsche. Zweimal pro Woche ist eine gute Gewohnheit.
- Jeden Tag lüften, auch im Winter. Schon ein paar Minuten Stoßlüften mit weit geöffneten Fenstern bringen mehr als ein dauerhaft gekipptes Fenster.
- Nicht auf Überdecken setzen. Parfum und Raumspray überdecken einen Geruch eine Weile, aber die Ursache bleibt.
Um Waschtemperaturen, Sauerstoffbleiche und Polstermöbel geht es im Beitrag Altersgeruch aus Kleidung und Wohnung entfernen. Manche Menschen greifen zu einer Seife mit Kaki-Extrakt. Was darüber bekannt ist und was nicht, lesen Sie in Wirkt Kaki-Seife?, und einen neutralen Überblick über das Angebot gibt unser Vergleich.
Wie Sie es bei Ihren Eltern ansprechen
Der Anfang ist oft das Schwerste. Diese Punkte machen es meist leichter:
- Wählen Sie einen ruhigen Moment unter vier Augen.
- Sprechen Sie über die Wäsche oder die Wohnung statt über die Person: „Soll ich dir helfen, die Sofakissen und Strickjacken zu waschen?“
- Bieten Sie praktische Hilfe an, etwa einen Duschhocker, einen Haltegriff oder Unterstützung bei der großen Wäsche.
- Bleiben Sie freundlich. Dieser Geruch sagt nichts darüber aus, wie gut jemand für sich sorgt.
Wann zur Hausärztin oder zum Hausarzt?
Lassen Sie sich hausärztlich beraten, wenn sich der Körpergeruch deutlich vom gewohnten Geruch unterscheidet oder wenn jemand plötzlich viel stärker schwitzt als sonst. Der NHS nennt beides als Gründe für ärztlichen Rat. Ein Termin ist auch sinnvoll, wenn zusammen mit der Veränderung andere Beschwerden auftreten, denn sie kann andere Ursachen haben als das Älterwerden. Bei Fragen zu Medikamenten hilft auch die Apotheke weiter.
Häufige Fragen
Ist Altersgeruch ein Zeichen mangelnder Hygiene?
Nein. Auch Menschen, die sich jeden Tag waschen, können ihn haben. Regelmäßiges Waschen hilft aber, ihn gering zu halten.
Ab welchem Alter kann er auftreten?
In der japanischen Studie von 2001 wurde Nonenal erst ab 40 Jahren gefunden. Das heißt nicht, dass jeder dann eine Veränderung bemerkt. Die Unterschiede sind groß.
Warum bemerken ältere Menschen ihren eigenen Geruch nicht?
Weil sich die Nase an Gerüche gewöhnt, die ständig da sind. Das gilt für alle Menschen in jedem Alter und ebenso für den Geruch der eigenen Wohnung.
Hilft ein Deo?
Deodorants und Antitranspirantien helfen vor allem gegen Geruch unter den Achseln. Der Geruch aus dem Hautfett kommt aber auch von Nacken, Rücken und der Haut hinter den Ohren. Dort bringt Waschen mit Seife mehr.